Stempel auf meinem Herzen

Jetzt blogge ich also auch…dabei stehe ich mit den modernen Technologien eher auf Kriegsfuß, aber wenn man die Freundin eines Softwareentwicklers ist, bleibt es wohl nicht aus, sich den neuen Medien zu öffnen. Und eigentlich ist es ja auch ein ganz spannendes Tool, schließlich gilt es viele kleine Momente in Worten fest zu halten, die sonst niemals zu Papier gebracht werden würden, weil sie vielleicht eh keiner lesen will. Meinen zumindest die Textchefs und Chefredakteure und die müssen es ja wissen, schließlich verkaufen sich die Magazine, für die ich in den vergangenen Jahren vornehmlich gearbeitet habe, erstaunlich gut- und das hat ja sicher seine Gründe. Also fallen in den Texten, die ich für den geneigten Leser, vornehmlich junge Frauen zwischen 22 und Anfang 30 verfasse, ziemlich viele wunderbare Erlebnisse zwangsläufig unter den Tisch.

6000 Zeichen sind verdammt wenig, viele Fakten müssen rein, ach ja und die Infos und schwupps, ist der Protagonist, der eben noch meine Geschichte trug, dem Rotstift zum Opfer gefallen.

Ein Blog ist toll, denn jetzt kann ich all das schreiben, was ich will, ohne dass mich Jemand auf überschüssige Zeilen aufmerksam macht.

Wer es lesen wird? Keine Ahnung! Was es zu lesen gibt? Auch da habe ich noch kein konkretes Konzept, aber wahrscheinlich alles rund ums Reisen. Begegnungen mit fantastischen Menschen, wundersame Orte, die sich tief in die Seele einbrennen. Ich nenne das „die Stempel auf meinem Herzen“. Weil auch Sekundenbruchteile, ein Blick, ein paar Worte, ein Gefühl, für immer währen können. Es sind die Momente, die man nicht vergisst. Egal was kommt, sie bleiben, auch wenn wir eines Tages gehen. Unauslöschlich. Die Einen ein kleines bisschen inne halten lassen, aus der schnelllebigen Zeit heraus katapultieren und den wahren Sinn des Lebens veranschaulichen. Jede Reise verändert, wenn man sich voll und ganz in gelebter Intensität auf den neuen Ort einlässt. Der muss übrigens gar nicht so weit weg liegen, er kann auch gleich eine Straßenabbiegung weiter sein, aber wir müssen ihn wahr nehmen, staunen, offen sein, dann zeigt sich Altes in neuem Gewand, das Geheimnis im vermeintlich Bekanntem.

Meine Herzensheimat ist hier, in einem kleinen Dorf, unweit von Hamburg. Zwanzig Autominuten und ich bin an den Elbbrücken, weitere zehn Minuten und ca. 20 gefühlte rote Ampeln weiter, bin ich in der City. Nie hätte ich gedacht, dass es mich als Großstadtmensch irgend wann aufs Land ziehen wird. Ein Abenteuer, mit dem ich witziger Weise total im Trend liege, denn Stadtflucht ist in. Aber jetzt bin ich hier und es fühlt sich gut an.

Zuhause kann ich überall sein. Wenn ich unterwegs bin, egal ob in Mexico City oder Auckland, dann gehe ich nie ins Hotel sondern „home“. Weil mein Zuhause in mir ist. Ich kann es überall mit hinnehmen. Wenn man liebt und sich geliebt fühlt, hat man eine Heimat, auch wenn man Zehntausende von Kilometern, durch Ozeane getrennt ist.

Selbst engsten Freunden fällt es schwer, mein Nomadendasein zu verstehen. Ich weiß nichts um meine wahren Wurzeln, aber irgendwo muss ein bisschen Zigeunerblut in mir stecken. „Du bist auf der Flucht“, „Wonach suchst du“, „Wann kommst du endlich an“, „Sei doch nicht so rastlos“, „Du bist wie eine Süchtige, die nach ihrem nächsten Schuss lechzt“, sind Sätze, die ich mir Zeit meines Lebens immer wieder anhören musste. Der letzte Satz trifft, auch wenn es mir schwer fällt, es einzugestehen.

Reisen ist mein Lebenselixier, es pusht mich, lässt mich spüren, macht mich glücklich, versetzt mich in tiefe Traurigkeit, lässt mich fühlen, atmen, riechen, schmecken, so als wäre es das erste Mal. Und das ist es immer. Jede Reise ist ein erstes Mal, egal, ob ich ins 250 Kilometer entfernte Berlin aufbreche oder ans Ende der Welt. Alles fühlt sich neu an. Das Packen, die Aufregung, das Reisefieber. Ich kann 300 Tage im Jahr unterwegs sein und habe trotzdem keinerlei Routine. Alles neu, alles frisch, alles einzigartig. Immer wieder aufwühlend, faszinierend.

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